Stadtteil-Historiker – Karl Heinz Fröhner
Bildhauerdynastie Scholl
Die „Darmstädter Linie“

Geführter Rundgang
Sonntag, 13.09.2026, 14.00 Uhr | Moller-Haus (Logen)
Eine Bildhauerfamilie über Generationen
Die Bildhauerdynastie Scholl geht auf eine seit dem 18. Jahrhundert nachweisbare Künstlerfamilie aus Bamberg zurück. Aus ihr entwickelten sich mehrere Familienzweige, darunter die bis heute bestehende „Darmstädter Linie“. Über fast zwei Jahrhunderte prägten ihre Mitglieder mit Skulpturen, Brunnen, Denkmälern und Grabmalen das Stadtbild Darmstadts und hinterließen ein bedeutendes künstlerisches Erbe.
Johann Baptist Scholl der Ältere (1784–1854)
Johann Baptist Scholl der Ältere begründete die Darmstädter Linie der Familie. Nach seiner Ausbildung in Bamberg und Mainz wurde er 1817 zum Hofbildhauer des Großherzogtums Hessen ernannt. In enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Georg Moller schuf er zahlreiche Werke für bedeutende Darmstädter Bauwerke. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen das Relief über dem Haupteingang der Ludwigskirche sowie mehrere Brunnenanlagen und Grabmäler. Viele seiner Werke sind bis heute im Stadtbild erhalten, darunter der Bessunger Brunnen, der Löwenbrunnen auf dem Stadtkirchenplatz und der Luisenbrunnen auf dem Mathildenplatz. Johann Baptist Scholl starb 1854 und wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt beigesetzt.
Diese Arbeit soll die sichtbaren und bereits verlorengegangenen Spuren der Bildhauerfamilie Scholl in Darmstadt dokumentieren.
Karl Heinz Fröhner
Johann Baptist Scholl der Jüngere (1818–1881)
Johann Baptist Scholl der Jüngere übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Atelier und wurde ebenfalls Hofbildhauer. Sein Werk umfasst zahlreiche Denkmäler, Brunnen und Grabmäler, die das Darmstädter Stadtbild bis heute prägen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Figuren am Ludewig-Monument, das Veteranendenkmal („Riwwelmatthes“), der Kanzlerbrunnen sowie die Brunnenfigur „Darmstadtia“. Neben seiner Tätigkeit als Bildhauer schuf er Zeichnungen und Druckgrafiken, darunter politische Karikaturen aus der Zeit der Revolution von 1848. Er starb 1881 in Limburg an der Lahn.
Karl Scholl (1840–1912)
Karl Scholl führte die Familientradition in dritter Generation fort. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zunächst im Atelier seines Vaters und schuf später eigene Werke für öffentliche Gebäude. Besonders bekannt sind seine Medaillons berühmter Persönlichkeiten an der Fassade des historischen Hauptgebäudes der Technischen Hochschule Darmstadt sowie die Bildnisse von Wilhelm Eduard Weber und Werner von Siemens am ehemaligen Physikalischen Institut. Auch Büsten der Großherzöge Ludewig I. und Ludewig III. gehören zu seinem Werk. Er starb 1912 in Darmstadt.
Hermann Maria Scholl (1875–1957)
Hermann Maria Scholl übernahm 1912 das Familienatelier. Nach einer Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer widmete er sich zunächst vor allem der Gestaltung von Grabmälern. Später erhielt er größere Aufträge für Bauplastik an öffentlichen Gebäuden, unter anderem am Neuen Gerichtsgebäude in Darmstadt. Mit ihm blieb die Werkstatt der Familie auch im 20. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des Darmstädter Kunsthandwerks.
Ulla Scholl sen. (1919–2011)
Mit Ulla Scholl setzte sich die künstlerische Tradition der Familie in zeitgenössischer Form fort. Nach ihrem Studium in Mainz, Darmstadt und München arbeitete sie seit den 1950er Jahren als freischaffende Bildhauerin. Ihr Werk umfasst Porträtbüsten, Tierplastiken, abstrakte Skulpturen sowie zahlreiche Arbeiten für den öffentlichen Raum. In Darmstadt sind unter anderem der „Stehende weibliche Akt“, die „Sirene“, die „Hundegruppe“, der „Seehund“ und die „Möwengruppe“ erhalten. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung und das Bundesverdienstkreuz.
Ulla Margarethe Scholl (*1948)
Ulla Margarethe Scholl führt die Darmstädter Linie der Bildhauerdynastie bis in die Gegenwart fort. Nach einem Studium der Grafik und Malerei in München arbeitet sie als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkten in der Bildhauerei, Kunst am Bau sowie der Gestaltung von Brunnen, Reliefs und Porträtbüsten. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Für das Familiengrab auf dem Alten Friedhof schuf sie den Grabstein ihrer Mutter Ulla Scholl und dokumentiert damit zugleich die Geschichte einer Bildhauerfamilie, die das Erscheinungsbild Darmstadts über Generationen hinweg nachhaltig geprägt hat.
Karl Heinz Fröhner
kam 1954 in Frankfurt am Main zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er in Griesheim/Hessen und besuchte dort die Grund- und Hauptschule. Bei der Fa. Goebel erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers. Über den zweiten Bildungsweg schloss er 1979 ein Studium zum Sozialarbeiter ab. Berufliche Erfahrungen sammelte er als Maschinenschlosser u.a. in der Eberstädter
Maschinenfabrik Press & Co. Als Sozialarbeiter erhielt er Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Bereich Jugendpflege und Straßensozialarbeit, in der Bildungseinrichtung für gewerblich-technische Berufe des Kulturbundes Darmstadt arbeitete er als Ausbilder. Ab Juli 1990 leitete er den Berufsbildungsbereich der Darmstädter Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung bis zu seinem Renteneintrittsalter im November 2019.
Foto © Karl Heinz Fröhner. Johann Baptist Scholl d. Ä. Tympanon mit Relieffiguren, Madonna und zwei betenden Engeln. (Titel)






