85. Dotter-Konzert
Zwischen den Zeilen
Was ungesagt blieb

Freitag, 18.06.2027, 18.00 Uhr | Ernst-Ludwig-Saal
Clara, Robert und Johannes – eine Liebesgeschichte
Es ist wohl die berühmteste Liebesgeschichte der europäischen Musikgeschichte: Clara Schumann ist 16 Jahre alt, als sie eine Beziehung mit Robert Schumann, dem Klavierschüler ihres Vaters, beginnt. Von Anfang an ist diese Liebe fragil, instabil, bedroht: Der übermächtige Vater möchte das Paar um jeden Preis trennen. Erst nach fünf langen Jahren können die beiden ihre Eheschließung vor Gericht erstreiten. Robert ist berauscht vom Glück der endlich erfüllten Sehnsucht – und hadert zugleich mit dem Erfolg seiner weitaus berühmteren Frau.
Jahre später wird der junge Komponist Johannes Brahms im Hause der Schumanns vorstellig. Sowohl Clara als auch Robert werden für ihn zu engen Freunden und wichtigen Förderern. Doch schon bald folgt die Katastrophe: Robert Schumann versucht den Selbstmord und wird in die Nervenheilanstalt Endenich eingewiesen. Im Schatten dieser Tragödie nähern sich Clara und Johannes einander an. Es entwickelt sich eine Form von Liebesbeziehung; bis heute können wir nur rätseln, wie weit diese gegangen sein mag. Berühmt wurden die immer intimeren Anreden in den Briefen von Brahms: „Verehrte Frau Schumann“, „Theuerste Freundin“, schließlich: „Meine geliebte Clara“.
Die entsetzliche Nachricht vom Tode Robert Schumanns in Endenich bedeutet zugleich das Ende der komplizierten, uneingestandenen Liebesbeziehung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms. Schlagartig kühlt der Tonfall in den Briefen ab, wie betäubt suchen beide die Distanz.
Sopranistin Lea Kohnen und das Alinea Quartett führen mit Liedern, Quartetten sowie Auszügen aus Tagebüchern und Briefwechseln durch diese tragische und berührende Geschichte, und machen das hörbar, was zwischen den Zeilen ungesagt bleibt.
Alinea Quartett
Das 2020 in München gegründete Alinea Quartett möchte die Bedeutung und Relevanz von Kammermusik für die Gegenwart neu denken. Mit Gesprächskonzerten, innovativen Konzertformaten und der Verbindung zu anderen Künsten sucht das Ensemble den direkten Austausch mit seinem Publikum und tritt bewusst an unterschiedlichsten Orten auf – von renommierten Konzertsälen und Festivals bis hin zu Grundschulen, Seniorenheimen und Kinderkliniken. Konzertreisen führten das Quartett durch zahlreiche europäische Länder.
Für seine künstlerische Arbeit erhielt das Alinea Quartett bereits mehrere Auszeichnungen, darunter erste Preise bei internationalen Wettbewerben in Rom und Filadelfia. Zudem wurde es für den Sonderpreis „Ton & Erklärung“ nominiert und in das Netzwerk „Le Dimore del Quartetto“ aufgenommen. Seit 2023 studiert das Ensemble bei Prof. Alexander Pavlovsky vom Jerusalem Quartett an der Kunstuniversität Graz und erhielt darüber hinaus wichtige Impulse von zahlreichen renommierten Musikerinnen und Musikern. 2026 erscheint das Debütalbum „Le temps perdu“ mit Werken von Maurice Ravel beim Label Da Vinci Classics.
Lea Kohnen
Die aus Mainz stammende Sopranistin Lea Kohnen schloss 2024 ihr Gesangsstudium an der Universität der Künste Berlin ab und war bereits in zahlreichen Opernrollen zu erleben, darunter Gretel, Pamina, Marguerite, Adele und Despina. Engagements führten sie unter anderem an das Konzerthaus Berlin, das Landestheater Neustrelitz, das AlleeTheater Hamburg und das Mozarthaus Wien. 2026 wurde sie Preisträgerin der Kammeroper Schloss Rheinsberg und sang dort die Isaure in Grétrys Blaubart.
Neben der Oper widmet sich Kohnen intensiv dem Liedgesang und gibt als Stipendiatin von Yehudi Menuhin Live Music Now Berlin moderierte Liedkonzerte mit Klavier oder Harfe. Zudem arbeitet sie mit dem Alinea Quartett zusammen. Zu ihren jüngsten Erfolgen zählen die Teilnahme als Young Artist am Leeds Lieder Festival 2025 und eine Auszeichnung beim Liedwettbewerb Seghizzi in Italien. Ein Erasmus-Studium an der Guildhall School of Music and Drama sowie Meisterkurse bei renommierten Sängerpersönlichkeiten wie Chen Reiss, Sir Thomas Allen, Christiane Iven und Emma Kirkby ergänzten ihre Ausbildung.
Besetzung:
Alinea Quartett:
Fanny Anaïs Schell – Violine I
Mario Sögtrop – Violine II
Justus Schümmer – Viola
David Fuchs – Violoncello
Lea Kohnen – Gesang
Programm:
Clara Schumann, Drei Lieder (arr. Aribert Reimann)
Robert Schumann, Widmung (arr. Alinea Quartett)
Clara Schumann, „Liebst du um Schönheit“ (arr. Alinea Quartett)
Robert Schumann, Streichquartett Nr. 3 in A-Dur
Johannes Brahms, Ophelia – Lieder (arr. Aribert Reimann)
Johannes Brahms, Streichquartett Nr. 1 in c-Moll
Robert Schumann, Streichquartett Nr. 3 in A-Dur
Johannes Brahms, Streichquartett Nr. 2 in a-Moll
Clara Schumann, Der Abendstern (arr. Alinea Quartett)
Foto © Elza Loginova



