Förderprojekt

„KunstStücke“ Theatertage 2025

Ein generationenübergreifendes, inklusives Theaterfestival

Mit Kunst Grenzen zwischen Menschen überwinden

Theater erleben, Gemeinschaft spüren

Was als mutige Idee begann – Menschen über Generationen hinweg durch Kunst miteinander zu verbinden – hat sich zu einem lebendigen Netzwerk aus Begeisterung, Ausdruckskraft und gemeinschaftlichem Engagement entwickelt.
Im Circus Waldoni fanden im Herbst 2025 erstmals die KunstStücke – Theatertage statt: vier Tage voll inspirierender Begegnungen, bewegender Theatermomente und künstlerischer Handschriften. Drei Ensembles – Kinder, Erwachsene und Seniorinnen und Senioren – präsentierten Stücke, die eigens für dieses Projekt entstanden sind und viele Besucherinnen und Besucher erreichten.

Social Actor Kids
„Die zertanzten Schuhe“ nach den Gebrüdern Grimm

Für die Aufführung mit den kleinsten Akteuren wurde das Märchen „Die zertanzten Schuhe“ von den Gebrüdern Grimm vom Theaterpädagogen Georg Slimistinos neu interpretiert und speziell an die Bedürfnisse der Gruppe angepasst. Dabei geht es um die geheimnisvoll zertanzten Schuhe der Königskinder, ein freches Hausschwein und eine unendliche Party. Eine energiegeladene Mischung aus Sprechtheater, Performance und Tanz, die Kindern wie Erwachsenen in Erinnerung bleibt.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, innerhalb von nur drei Monaten mit der neu zusammengesetzten Gruppe von Kindern aus Eberstadt ein vollständiges Theaterstück zu entwickeln. Viele der Kinder kannten sich vor Beginn der Proben nicht, sodass neben dem künstlerischen Prozess auch das Zusammenwachsen als Gruppe eine zentrale Rolle spielte.
Um der kurzen Probenzeit und der Vielfalt der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler gerecht zu werden, war die Erzählweise von viel Musik, Bewegung und spielerischer Improvisation geprägt. Diese Form bot allen die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, frei zu experimentieren und ein gemeinsames Ausdrucksrepertoire zu entwickeln.
Daraus entstand eine eindrucksvolle, lebendige Inszenierung. Die Gruppe wuchs schnell zusammen und entwickelte eine spürbare Bühnenpräsenz, die das Publikum begeisterte. Die Aufführungen lockten zahlreiche Besucher an – nicht nur Angehörige, sondern auch viele externe Gäste. Für die jungen Theaterkinder war dies ein prägendes und motivierendes Erlebnis, das ihre Arbeit und ihren Mut sichtbar belohnte.

Blattgold Ensemble 60+
„Darmstädter Stadtgeschichten“ – Geschichten, die das Leben schreibt

Das Blattgold Ensemble 60+ ist ein Herzensprojekt und ein besonderes Zeichen gegen das Unsichtbarwerden älterer Menschen. Unter der Leitung von Theaterpädagogin Melanie Gaug entstand eine Gruppe, die bewusst auf leisere Töne setzte und die Vielfalt gelebter Lebenserfahrung auf die Bühne brachte. Die Schauspielerinnen und Schauspieler widmeten sich Erlebnissen, Erinnerungen und Fantasien, die sie persönlich bewegen. Die Erzählweise war zarter, poetischer und lebte von der Lebenserfahrung der Akteure. „Darmstädter Stadtgeschichten“ präsentierte eine Collage aus Geschichten aus Archiven, Briefen und Zeitungen, verwoben mit persönlichen Texten der Akteure, entstand ein lebendiges Bild Darmstadts zwischen Historie und Gegenwart.
Während in vielen klassischen Theatergruppen Rollen für ältere Menschen nur begrenzt vorhanden sind und Geschichten meist aus einer jüngeren Perspektive erzählt werden, schuf das Blattgold Ensemble 60+ einen geschützten, wertschätzenden Rahmen, in dem die Seniorinnen und Senioren im Mittelpunkt standen. Die Gruppe bot den Teilnehmenden eine sinnstiftende Aufgabe, stärkte Halt und soziale Teilhabe und wirkte der oft zunehmenden Vereinsamung im Alter entgegen.
Für viele der Beteiligten war es weit mehr als ein Theaterprojekt: ein sozialer Anker, ein Ort der Teilhabe, der Kreativität und des gemeinsamen Weiterwachsens.

Social Actor Ensemble
„Willkommen im Jenseits“

Ein Künstler sucht nach der perfekten Idee für ein Theaterstück über das Jenseits – und bekommt von allen Seiten kuriose, tiefgründige und berührende Vorschläge. Zwischen Bürokratie und Sternenhimmel, Casting und Slapstick entfaltet sich eine witzige wie nachdenkliche Hommage an die Fantasie und die Menschlichkeit.
Das Social Actor Ensemble ist eine bewusst generationenübergreifende Theatergruppe, deren Teilnehmende aktuell zwischen 8 und 86 Jahre alt sind. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Seniorinnen und Senioren spielten gemeinsam, lernten voneinander und gestalteten miteinander ein gesellschaftliches Modell im Kleinen. Ziel war es, im gemeinsamen Spiel gegenseitigen Respekt, Achtsamkeit und ein echtes Miteinander erfahrbar zu machen. Die Rücksichtnahme auf ältere Akteure sowie die inspirierende Energie der jüngeren Ensemblemitglieder schufen eine besondere Dynamik, die zeigte, wie eine funktionierende Mehrgenerationengesellschaft praktisch erlebt werden kann – nicht theoretisch, sondern unmittelbar auf der Bühne. Das Ensemble versteht sich damit auch als Modell und Impulsgeber für gesellschaftliches Zusammenleben.
 „Willkommen im Jenseits“ entstand aus einem kollektiven Prozess: Jede Idee – ob Schlaraffenland, ein Warteraum oder etwas ganz anderes – wurde aufgegriffen, weitergedacht und gemeinsam ausgestaltet. Der erste Teil des Stücks spiegelte sogar authentisch wider, wie der Entwicklungsprozess verlief: Von der Begeisterung, dieses ungewöhnliche Thema zu zeigen, bis hin zur provokanten Frage „Wen interessiert denn das?“.
Im Zentrum stand dabei die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen, gerne auch in Szenen, die bewusst herausfordern. Der Gruppe war es u.a. ein Anliegen, die Zustimmung zur AfD zu thematisieren und das Publikum kurzzeitig in eine unangenehme Stimmung zu versetzen – nicht, um politisches Theater im klassischen Sinne zu machen, sondern um wichtige Themen sichtbar zu machen und keine heile Welt vorzutäuschen.
Heute zählt das Ensemble 35 aktive Schauspielerinnen und Schauspieler. Ein lebendiges, wachsendes Ensemble, das nicht nur weitermachen, sondern sich dauerhaft etablieren möchte. Das nächste Projekt ist bereits in Arbeit – „DARMSTADT 2046“ – ein Stück über Demokratie und künstliche Intelligenz.

Wie die „KunstStücke“ Theatertage entstanden

Dass Kunst verbindet, ist mehr, als nur das Motto von Social Arts e.V. Unter diesem Dach können sich Menschen künstlerisch, kreativ ausprobieren, ihre Potentiale entdecken und ganz nebenbei Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen.
Die Idee zu den Theatertagen wuchs aus einer Freundschaft und einer gemeinsamen Überzeugung von Astrid Sturm, Melanie Gaug und Oliver Lellé. Ihr Wunsch war es, gemeinsam kulturelle Veranstaltungen zu organisieren und die Stadtgesellschaft mit künstlerischen Angeboten zu bereichern; ihr Ziel, künstlerische Freiheit, demokratische Mitgestaltung und niedrigschwellige Teilhabe zu fördern. Im Zentrum stand dabei immer, dass Kunst verbindet. Die Teilnehmenden begegneten sich über Generationen, Herkunft und soziale Unterschiede hinweg und bestimmten Inhalte, Rollen und Ausdrucksformen gemeinsam. Gleichzeitig legte der Social Arts e.V. großen Wert auf eine niedrigschwellige Teilhabe – sowohl für die Mitwirkenden als auch für das Publikum, für das die Veranstaltungen kostengünstig oder kostenfrei zugänglich waren.
Nach mehreren gescheiterten Anläufen zur Bundesfinanzierung entschied sich Social Arts e.V., das Konzept zu verschlanken – aber nicht aufzugeben. Dank der Unterstützung der Dotter-Stiftung und weiterer regionaler Förderer wurde das Projekt realisierbar. Insgesamt nahmen 72 Akteure aus Eberstadt, Darmstadt und dem Umland teil.

Fotos © Social Actors e.V.