Stadtteil-Historiker – James Harrison

3D-Rekonstruktion der Dreifaltigkeitskirche

Der historische Innenraum von 1851 bis 1961

Blick in das leere Kircheninnere mit Holzbänken, weißen Wänden, zwei Emporen, Porträts auf der oberen Empore, Bogenfenstern, einem mit rotem Teppich ausgelegten Altar und Orgelpfeifen im Hintergrund.

Ausstellungseröffnung
Freitag, 02.10.2026, 11.00 Uhr | Ev. Dreifaltigkeitskirche

Öffnungszeiten: Sa, 3. Oktober 2026 von 9.00 Uhr – 14.00 Uhr
So, 4. Oktober 2026 von 9.00 Uhr – 18.00 Uhr
jeweils sonntags 45 Minuten vor und nach dem Gottesdienst

Die Geschichte der Kirche

Die Ursprünge der heutigen Dreifaltigkeitskirche reichen mehr als zwölf Jahrhunderte zurück. Bereits im frühen Mittelalter wird an dieser Stelle eine Kirche erwähnt, deren Turmfundamente noch auf einen Bau des späten 15. Jahrhunderts zurückgehen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus mehrfach erweitert und umgestaltet. Dadurch veränderten sich Größe, Ausstattung und Erscheinungsbild der Kirche immer wieder und spiegelten den jeweiligen Baustil ihrer Zeit wider.

Der Kirchenraum von 1851 bis 1912

Eine umfassende Renovierung im Jahr 1851 verlieh der Kirche ein neues Erscheinungsbild. Charakteristisch waren die über dem Altar angeordnete Kanzel, die zentral platzierte Orgel sowie zahlreiche kunsthandwerkliche Details. Eine besondere Attraktion bildete ein von der Decke herablassbarer Taufengel, der bei Taufen zum Einsatz kam. Da für diese Bauphase lediglich eine historische Fotografie erhalten ist, stellte ihre Rekonstruktion eine besondere Herausforderung dar. Mithilfe historischer Pläne, Archivquellen und Vergleichen mit zeitgenössischer Architektur konnte dennoch ein überzeugendes Modell des damaligen Kirchenraums entstehen.

Das ursprüngliche Erscheinungsbild, die räumliche Atmosphäre sowie die Proportionen der Kirche sollen möglichst präzise modelliert werden, um einen Beitrag zur Bewahrung und Wertschätzung der faszinierenden Geschichte der Kirche zu leisten.

James Harrison

Die Jugendstilkirche von 1912 bis 1961

Mit dem Umbau von 1912 erhielt die Kirche ihr prächtigstes Erscheinungsbild. Nach Plänen des Darmstädter Architekten Friedrich Pützer wurde das Gebäude erweitert und vollständig im Jugendstil gestaltet. Eine reich verzierte Kassettendecke, farbige Mosaike, Keramiksäulen, Wandmalereien und eine neue Altaranlage verliehen dem Innenraum eine außergewöhnliche Wirkung. Viele dieser Gestaltungselemente verschwanden bei der grundlegenden Renovierung von 1961. Für die Rekonstruktion standen historische Fotografien sowie originale Entwurfszeichnungen aus dem Pfarrarchiv zur Verfügung, die eine besonders detailreiche Nachbildung ermöglichten.

Die digitale Rekonstruktion

Grundlage der Rekonstruktion waren historische Fotografien, Baupläne und Archivunterlagen, die digital ausgewertet und miteinander verglichen wurden. Hochauflösende Scans machten zahlreiche Details sichtbar, die auf den Originalaufnahmen kaum noch zu erkennen waren. Ornamentale Elemente, Farbgestaltungen und Ausstattungsdetails wurden digital nachgezeichnet und in ein dreidimensionales Modell übertragen. So entstand eine möglichst realitätsnahe Darstellung der historischen Kirchenräume, auch wenn einzelne Bereiche aufgrund fehlender Quellen rekonstruiert und interpretiert werden mussten.

Neue Erkenntnisse und Ergebnisse

Die mehr als zweijährige Forschungsarbeit führte zu einer umfassenden digitalen Rekonstruktion der Dreifaltigkeitskirche in zwei historischen Epochen. Sie macht die baulichen Veränderungen ebenso sichtbar wie den Wandel der liturgischen und gestalterischen Vorstellungen über mehr als ein Jahrhundert. Besonders bedeutsam war die Wiederentdeckung originaler Jugendstil-Deckenmalereien im Jahr 2024, die lange Zeit unter späteren Verkleidungen verborgen waren und neue Erkenntnisse über die Ausstattung der Kirche ermöglichten.

Ein Beitrag zur Bewahrung der Kirchengeschichte

Die digitale Rekonstruktion ermöglicht es, den historischen Kirchenraum aus verschiedenen Perspektiven virtuell zu erleben und macht verloren gegangene Ausstattungen wieder sichtbar. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Erforschung und Bewahrung der Bau- und Kunstgeschichte der Dreifaltigkeitskirche. Gleichzeitig schafft es eine Grundlage für zukünftige Forschungen und bietet neue Möglichkeiten, die wechselvolle Geschichte des Kirchenraums anschaulich zu vermitteln.

James Harrison

ist Industriedesigner und lebt seit 1996 in Eberstadt. Nach seinem Studium des Industrial Designs zog er 1990 aus
dem Vereinigten Königreich nach Deutschland und begann seine Laufbahn in einer Designagentur in Stuttgart. Nach drei Jahren wechselte er nach Pforzheim und zog 1996 nach Darmstadt, wo er mit seiner Ehefrau ein Designbüro gründete. In der Agentur werden Produkte wie Zahnbürsten, Stifte, elektronische Geräte und Sportartikel entwickelt. Seit über 30 Jahren arbeitet er in Industrie-, Grafik- und Ausstellungsdesign für internationale Auftraggeber. Durch sein ehrenamtliches
Engagement im Kirchenvorstand entwickelte er Interesse an der lokalen Geschichte, insbesondere an der Dreifaltigkeitskirche und ihrer 550-jährigen Geschichte. In seiner Freizeit spielt er Klavier und fährt Mountainbike.

Foto © James Harrison. 3D-Rekonstruktion des Innenraums 1851–1912. (Titel)