Stadtteil-Historiker – Theodor Ludwig
Die Entwicklung der Schulen in Kranichstein
Bedeutung für das soziale Leben im Stadtteil

Vortrag
Termin folgt | Kranichstein
Ein neuer Stadtteil entsteht
Mit dem Aufbau des neuen Darmstädter Stadtteils Kranichstein Ende der 1960er-Jahre entstand auch der Bedarf an einer leistungsfähigen Schullandschaft. Das starke Bevölkerungswachstum und die zunehmende kulturelle Vielfalt machten den Ausbau der Bildungsangebote notwendig. Ziel des Projekts war es, die Entwicklung der Schulen in Kranichstein nachzuzeichnen und ihren Beitrag zur Entwicklung des Stadtteils zu dokumentieren. Grundlage der Recherche waren Archivalien, Unterlagen der Schulen sowie zahlreiche persönliche Berichte aus den Schulgemeinden.
Die Anfänge der Erich Kästner-Schule
Nachdem 1968 die ersten Familien nach Neu-Kranichstein gezogen waren, begann bereits 1969 der Bau einer Grundschule. Dank einer modularen Bauweise konnte die Erich Kästner-Schule noch im selben Jahr eröffnet werden. Namensgeber war der Schriftsteller Erich Kästner, der an der Einweihung persönlich teilnahm. Der erste Jahrgang umfasste 126 Schülerinnen und Schüler, die von drei Lehrkräften unter Leitung der ersten Rektorin Irmgard Meisinger unterrichtet wurden.
Der Schulalltag der Erich Kästner-Schule war immer durch besondere Angebote gekennzeichnet.
Theodor Ludwig
Wachstum und pädagogische Entwicklung
Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum stiegen auch die Schülerzahlen innerhalb weniger Jahre stark an. Mehrere Erweiterungsbauten mit zusätzlichen Klassenräumen, einer Turnhalle und später einem eigenen Förderstufengebäude schufen die notwendigen Kapazitäten. Ab 1979 wurde die Förderstufe eingeführt, sodass Kinder bis zur sechsten Klasse gemeinsam lernen konnten.
Die Schule entwickelte sich zugleich zu einem Ort pädagogischer Innovation. Ein besonderes Schulprojekt richtete sich Anfang der 1980er-Jahre an Roma-Kinder, deren Familien sich vorübergehend in Kranichstein niedergelassen hatten. Darüber hinaus führte die Schule muttersprachlichen Unterricht ein und unterstützte Kinder verschiedener Herkunftssprachen. Die langjährige Schulleiterin Irmgard Meisinger prägte die Aufbaujahre entscheidend, bevor 1990 Dr. Michael Hüttenberger die Leitung übernahm.
Der Förderkreis
1988 wurde der Förderkreis der Erich Kästner-Schule gegründet, um die Schule finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Neben der Förderung einzelner Projekte übernahm der Verein später die Betreuung der Grundschule und führte innovative Konzepte wie die eigenständige Schulreinigung ein, bei der sich die Schülerinnen und Schüler aktiv beteiligten. Mehrere dieser Ideen dienten später auch anderen Darmstädter Schulen als Vorbild.
Entstehung der Erich Kästner-Schule IGS
Mit der weiteren Entwicklung Kranichsteins reichte die vorhandene Schule bald nicht mehr aus. Anfang der 1990er-Jahre entschied die Stadt daher den Bau einer zweiten Schule. Nach intensiven Diskussionen wurde eine Integrierte Gesamtschule (IGS) beschlossen, die zwischen 1997 und 2003 in mehreren Bauabschnitten entstand. Neben Unterrichtsräumen entstanden Fachräume, eine Sporthalle, eine Stadtteilbibliothek sowie Räume für Volkshochschule und Familienbildungsstätte. Seitdem bilden Grundschule und IGS gemeinsam das schulische Zentrum Kranichsteins.
Die Schulen heute
Heute zählt die Erich Kästner-Grundschule mit rund 570 Schülerinnen und Schülern zu den größten Grundschulen Darmstadts. Sie zeichnet sich durch moderne pädagogische Konzepte aus, darunter Sprachförderung für Schulanfänger sowie altersgemischte Eingangsklassen. Die Gebäude wurden in den vergangenen Jahren umfassend saniert und erweitert.
Die Erich Kästner-Schule IGS ist heute eine dreizügige Gesamtschule mit über 400 Schülerinnen und Schülern. Ganztagsangebote, Arbeitsgemeinschaften und eine Schülerfirma ergänzen den Unterricht. Aufgrund weiter steigender Schülerzahlen bleibt die Raumsituation jedoch eine Herausforderung.
Die Freie Comenius Schule
Seit den 1980er-Jahren ergänzt die Freie Comenius Schule das Bildungsangebot in Kranichstein. Die staatlich anerkannte Ersatzschule arbeitet nach reformpädagogischen Grundsätzen und orientiert sich an den Ideen von Jan Amos Comenius. Kreative Fächer, jahrgangsübergreifendes Lernen und die enge Einbindung der Eltern prägen das Schulkonzept.
Nach ihrer Gründung 1986 entwickelte sich die Schule kontinuierlich weiter. Mehrere Neubauten erweiterten das Gelände, heute besuchen rund 150 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung. Die Abschlussprüfungen erfolgen in Kooperation mit der Erich Kästner-Schule.
Bedeutung für den Stadtteil
Die Schulen haben die Entwicklung Kranichsteins weit über ihre Bildungsaufgabe hinaus geprägt. Sie sind wichtige Orte der Begegnung, Integration und Zusammenarbeit und eng mit Vereinen, Kirchen und zahlreichen Initiativen des Stadtteils vernetzt. Das starke gesellschaftliche Engagement vieler Schulleitungen, Lehrkräfte und Ehrenamtlicher wurde mehrfach durch die Auszeichnung „Goldener Kranich mit dem Stein“ gewürdigt. Damit sind die Schulen bis heute ein wesentlicher Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens in Kranichstein.
Theodor Ludwig
wurde am 4. Januar 1943 in Theisbergstegen (Landkreis Kusel/Pfalz) geboren. Seit 1964 ist er verheiratet und Vater zweier Kinder, geboren 1968 und 1975. Nach dem Volksschulabschluss absolvierte er eine Lehre zum Stahlbauschlosser bei Stahlbau Seibert in Homburg/Saar. 1961 zog er nach Darmstadt und arbeitete bei Bahnbedarf Rodberg und Donges Stahlbau, bevor er von 1967 bis 1968 seinen Wehrdienst leistete. Anschließend schloss er am REFA-Institut Darmstadt eine Weiterbildung zum REFA-Techniker mit Abschluss in Industrial Engineering ab. Im Laufe seines Berufslebens übernahm er verschiedene Führungsaufgaben: als Betriebsleiter bei Peter Josef Wilz in der Metallindustrie, als Abteilungsleiter der Großbuchbinderei Fikentscher in Darmstadt, als Abteilungs- und Produktionsleiter bei Goldwell sowie als Betriebsleiter bei LOGOSYS Darmstadt. Auch ehrenamtlich engagierte sich Theodor über viele Jahre: 20 Jahre als Schöffe am Amtsgericht, 16 Jahre als Vorsitzender des von ihm gegründeten Förderkreises der Erich-Kästner-Schule, 14 Jahre als Stadtverordneter und 19 Jahre als Ortsgerichtsvorsteher in Darmstadt-Kranichstein.
Foto © Theodor Ludwig. Ein kurzes Gedicht Erich Kästners in der Dokumentation der EKS. (Titel)







