Stadtteil-Historikerin – Katrin Beger-Merla

Press & Co. Maschinenfabrik Eberstadt

Firmengeschichte – persönlich von Ludwig Press erzählt

Schwarz-Weiß-Foto eines großen Industriegebäudes mit der Aufschrift PRESS Maschinenfabrik, mit vielen Fenstern, einem Eingangstor und einer Treppe, die zum Haupteingang in einer ruhigen Straße führt.

Der persönliche Weg zur Firma Press

Drucken ist die Wiedergabe von Texten oder Bildern durch Übertragung von Druckfarbe auf ein Material. Das älteste Verfahren basiert auf dem Prinzip „Fläche gegen Fläche“, bei dem eine eingefärbte Druckplatte mit großer Kraft auf das Papier gepresst wird. Im 19. Jahrhundert entstand die Zylinderpresse, bei der das Prinzip „flach gegen rund“ angewendet wurde. Im Rahmen ihres Studiums an der Karlsruher Kunstakademie erprobte Katrin Beger-Merla verschiedene Drucktechniken intensiv, darunter Kaltnadelradierung, Lithografie, Linol- und Holzschnitt sowie Kalt- und Ätzradierung. Auch die Weichgrundätzung (Vernis mou), die besonders feine zeichnerische Strukturen ermöglicht, spielte eine Rolle.

Katrin Beger-Merla gründete 1971 in Darmstadt eine Malschule für Kinder. Um die Arbeit im Bereich Tiefdruck zu erweitern, wollte sie eine eigene Kupferdruckpresse anschaffen. Da keine geeignete Maschine gefunden werden konnte, beschloss sie, eine Presse nach dem Vorbild eines Heidelberger Druckmaschinenmodells anfertigen zu lassen. Der Kontakt zur Firma Press GmbH & Co. KG in Darmstadt-Eberstadt führte 1972 zur Entwicklung einer individuell gefertigten Kupferdruckpresse. Die schwere Maschine mit Schwungradantrieb und doppeltem Zahnradlager wurde im Atelier aufgestellt und ermöglichte eine intensive praktische Arbeit mit verschiedenen Drucktechniken, sowohl eigenständig als auch gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern.

1972, nach einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Ludwig Press, versprach er, sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Kupferpresse aussehen könnte.

Katrin Beger-Merla

Firmengeschichte der Press Maschinenfabrik

Die Press Maschinenfabrik wurde am 1. Oktober 1933 in Eberstadt von Ingenieur Ludwig Press senior gegründet. Nach dem Ausscheiden seines Kompagnons im Jahr 1948 führte er das Unternehmen allein weiter und firmierte es später als GmbH & Co. KG. Nach seinem Tod im Jahr 1977 übernahm sein Sohn Ludwig-Friedrich Press die Leitung, später dessen Sohn, der das Unternehmen bis zur Schließung im Jahr 2010 führte.
 
Der Firmensitz befand sich im Weinweg in Eberstadt auf einem ehemaligen Industriegelände, das zuvor einer Klavierfabrik und anschließend der Firma Heim gehört hatte. Anfangs wurden Gelände und Gebäude gepachtet, später käuflich erworben. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zusätzliche Werkstätten, Montagehallen und ein Verwaltungsgebäude. Die technische Ausstattung wurde kontinuierlich erweitert und modernisiert. Drehbänke, Hobelmaschinen, Fräswerke, Bohrwerke, Schleifmaschinen sowie Schweißerei und Werkzeugmacherei ermöglichten die Herstellung großer und technisch anspruchsvoller Maschinen. Alte Transmissionsantriebe wurden durch moderne Einzelantriebe ersetzt, und auch Heizungsanlagen wurden erneuert.

Programm und Kunden

Das Produktionsprogramm umfasste Maschinen für die Papier- und Druckindustrie. Dazu gehörten Prägepressen mit unterschiedlicher Druckkraft, Kupferdruckpressen, Schneide- und Stanzmaschinen für Papier, Pappe, Folien und Kunststoffe sowie später auch Beschichtungsmaschinen. Die Kundschaft bestand aus Papierfabriken, papierverarbeitenden Betrieben und Buchbindereien. Eine besonders enge Geschäftsbeziehung entwickelte sich mit der Firma Kalle & Co., später Teil der Hoechst AG. Auch Unternehmen wie Bayer, Kodak und Kimberley-Clark gehörten zu den Kunden. Die Maschinen wurden in zahlreiche Länder Europas und darüber hinaus exportiert.
 
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete der Betrieb unter anderem für die Kriegsmarine. Nach Kriegsende wurden im Auftrag der US-Armee Druckmaschinen instandgesetzt, auf denen die ersten deutschen Ausgaben der „Stars and Stripes“ gedruckt wurden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte das Unternehmen zudem kleine Ölmühlen her, mit denen Bucheckern zu Speiseöl verarbeitet werden konnten.

Mitarbeiter – die Belegschaft

Die Zahl der Beschäftigten stieg in den 1950er Jahren von etwa 50 auf rund 120 Personen. Neben Ingenieuren, technischen Zeichnern und Facharbeitern waren zahlreiche Monteure im In- und Ausland tätig. Während des Krieges arbeiteten auch französische und russische Kriegsgefangene als Hilfskräfte im Betrieb. In den 1960er Jahren kamen Gastarbeiter aus Italien und Spanien hinzu. Es bestand ein Betriebsrat, und bis Mitte der 1960er Jahre wurden die Löhne bar in Lohntüten ausgezahlt. Jährlich wurden zahlreiche Lehrlinge ausgebildet, später entstand eine eigene Lehrwerkstatt.

Schließung und Nachfolge

Im Jahr 2010 musste die Firma Press infolge der weltweiten Wirtschaftskrise und des strukturellen Wandels in der Medienbranche schließen. Durch die zunehmende Digitalisierung und das Internet war die Nachfrage nach Papier- und Druckmaschinen stark zurückgegangen. Teile des Maschinenprogramms werden heute von Nachfolgeunternehmen der Familie Press in Pfungstadt weitergeführt, wodurch ein Teil der Tradition des Unternehmens erhalten geblieben ist.

Katrin Beger-Merla

Katrin Beger-Merla wurde 1943 in Sagar/Neiße geboren. Die Künstlerin und Kunstpädagogin studierte von 1965 bis 1966 an der Städelschule (Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main) und von 1966 bis 1972 bei Professor Herbert Kitzel an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe, wo sie 1970 mit dem Akademiepreis ausgezeichnet wurde. Noch während einer Familienphase von 1973 bis 1983 nahm sie 1982 an der Sommerakademie für Bildende Künste in Salzburg bei Professor Rolf Szymanski teil. Katrin Beger-Merla war von 1991 bis 1994 Lehrbeauftragte im Fach Gestaltungslehre an der FH-Darmstadt und, nach Teilnahme an der Sommerakademie für Bildende Künste in Salzburg 1994 bei Professor Andreas v. Weizsäcker, von 1995 bis 2006 Dozentin an der F. + U. Akademie für Wirtschaft Darmstadt. Seit 2005 ist sie freischaffende Künstlerin und erhielt 2010 das Moldau-Stipendium Cesky Krumlov des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Foto © Firmenarchiv L. Press (Titel)