Stadtteil-Historiker – Heinz Krapp

Was woa dann do doo?

Das Alte stürzt…

Ein Kreisverkehr mit Wildblumen und hohem Gras in der Mitte, umgeben von Bäumen. Ein hoher, beiger Kirchturm mit geometrischen Mustern erhebt sich über dem Grün unter einem klaren blauen Himmel.

…es ändert sich die Zeit…

Der Dokumentarfilm „Was woa dann do doo?“ beschäftigt sich mit den baulichen Veränderungen im Darmstädter Stadtteil Eberstadt in den Jahren 2013 bis 2016. Ausgangspunkt des Projekts war die persönliche Beobachtung von Heinz Krapp, dass bei Spaziergängen immer mehr alte Gebäude verschwanden und durch Neubauten ersetzt wurden. Dabei stellte sich ihm immer wieder die Frage, wie es an diesen Orten früher ausgesehen hatte.

…und neues Leben blüht aus den Ruinen.

Besonders der Abriss der traditionsreichen Maschinenfabrik Press im Steigertsweg im Jahr 2012 wurde zum entscheidenden Impuls für sein Vorhaben. Auf dem über 9.000 Quadratmeter großen Gelände, auf dem seit 1933 Maschinen für die Papierindustrie hergestellt worden waren und zeitweise bis zu 120 Menschen gearbeitet hatten, sollten mehr als 40 neue Wohneinheiten entstehen. Viele Anwohner sahen diese Entwicklung kritisch, da die Verkehrssituation bereits angespannt war. Heinz Krapp begann, Abrissarbeiten, Rohbauten und die entstehenden Wohnhäuser über mehrere Jahre hinweg zu dokumentieren.

Immer wieder musste ich bei meinen Spaziergängen in Eberstadt feststellen, dass Häuser abgerissen wurden und ich mich fragen musste: Wie hat das vorher ausgesehen?

Heinz Krapp

Viele Projekte sind schon lange im Werden begriffen

Im Laufe des Films richtet sich der Blick auch auf zahlreiche weitere Bauprojekte im Stadtteil. So wird ein geplantes Großprojekt im Süden Eberstadts thematisiert, bei dem eine LKW-Waschanlage mit 24-Stunden-Tankstelle entstehen sollte. Dieses Vorhaben hätte soziale Einrichtungen wie den Circus Waldoni verdrängt, wurde jedoch letztlich nicht realisiert, da das Grundstück von der Waldoni-Stiftung mit Unterstützung der Stadt Darmstadt erworben werden konnte.
Ebenso wird das Klinikgelände gezeigt, dessen Teilkrankenhaus langfristig nach Darmstadt verlegt werden soll, sodass das Areal künftig für Wohnbebauung genutzt werden kann, wobei die denkmalgeschützten Gebäude erhalten bleiben sollen. Weitere Stationen des Films sind die Ludwig-Schwamb-Schule, an der ein Neubau entsteht, sowie der Bahnhof Eberstadt, in dessen Modernisierung die Deutsche Bahn mehrere Millionen Euro investiert. Vorgesehen sind unter anderem barrierefreie Zugänge und erhöhte Bahnsteige. Auch wirtschaftliche Veränderungen werden dokumentiert, etwa der Neubau eines Verwaltungsgebäudes der Firma Kao, Nachfolgerin von Goldwell.
In der Ortsmitte greift der Film geplante Abrisse und Neubebauungen auf, darunter das Gelände der ehemaligen Spedition mit dem Eissalon Dolomiti sowie weitere Umgestaltungen und Leerstände.

Happy End an der Felsnase

Ein besonderes Kapitel widmet sich dem Projekt „Felsnase“, einem seit den 1980er Jahren umstrittenen Straßenbauvorhaben. Aufgrund gestiegener Kosten und des Engagements einer Bürgerinitiative wurde das Projekt schließlich gestoppt. Dieses erfolgreiche Bürgerengagement markiert im Film eine Art Happy End.

Am Ende alles auf Anfang

Am Ende kehrt der Film an seinen Ausgangspunkt im Steigertsweg zurück, wo die neu errichteten Wohneinheiten inzwischen bezogen sind. Die rund 27-minütige Dokumentation versteht sich als filmisches Zeitdokument, das die jüngste Geschichte Eberstadts festhält. Sie verdeutlicht, dass Geschichte nicht erst weit zurückliegt, sondern im stetigen Wandel des Alltags entsteht – und dass es wichtig ist, auch gegenwärtige Veränderungen für kommende Generationen sichtbar zu machen.

Heinz Krapp

Heinz Krapp wurde 1929 in der Mauerstraße am Rande des „Watzeviertels“ (dort war im Faselstall des Martinsviertels der Gemeinde-Eber, mundartlich „Watz“, untergebracht) geboren. Hier verbrachte er unvergessliche Jugendjahre. Er machte seinen Mittelschulabschluss in der nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebauten Ohlyschule. Das Kriegsende erlebte er als 16-jähriger im HJ-Einsatz, es folgte eine amerikanische Kurzzeitgefangenschaft. Heinz Krapp machte seine Gesellenprüfung als Elektroinstallateur mit anschließendem Elektrotechnik-Studium an der Städtischen Ingenieurschule Darmstadt. Er war Vertriebsingenieur bei Siemens Frankfurt, dann bei BBC in Mannheim. Sein Hobby war und ist das Filmen. Mit der Reihe „Eberstadt im Film“ bewies er seine besondere Verbundenheit zu diesem Stadtteil, in dem er seit 1958 wohnt.

Foto © Christoph Rau (Titel)